Kontakte knüpfen in Businessnetzwerken – Negativbeispiele

 

Kontaktanfrage auf Xing, LinkedIn oder Facebook. Das Gegenüber möchte gerne sein professionelles Netzwerk erweitern. Man nimmt an und gibt seine Daten frei oder antwortet auf eine erste Nachricht, die man geschickt bekommen hat. Alles läuft gut, bis sich herausstellt, dass das Gegenüber ein Arsch ist. Social Business – drei Negativbeispiele.

Social Business Pannen

Beispiel 1

21.08.2009 – Ich erhalte eine Kontaktanfrage auf LinkedIn. Ich akzeptiere, da ich offen und freundlich bin. Meine Geschäftsinformationen sind jetzt für mein Gegenüber sichtbar. Auch meine Emailadresse. Eine Stunde später erreicht mich eine Email. Betreff: “mit Photovoltaik in die Zukunft ?” Man lädt mich für den 05. September nach LÜBECK ein. Ich wohne in Bayern Oberfranken. Ablauf des Tages: Firmenvorstellung, Vertrieb, Verdienstmöglichkeiten.

Mein LinkedIn Profil sagt nirgends, dass alternative Energien oder Photovoltaik für mich interessant sind. Ich bin nicht einmal ansatzweise in derselben Branche tätig. Ich schreibe dem Herrn höflich, aber bestimmt zurück, dass weder sein Angebot, noch der Ort, noch die Art, wie er mich zu der Veranstaltung einlädt für mich in Ordnung sind. (er hat ganz klassisch Spam-Mails verschickt)

Kurz darauf kommt seine Antwort per Email, dass ich dann gefälligst nicht meine Kontaktdaten freigeben soll, wenn ich keine Emails erhalten möchte.

Ich leite daraufhin den Emailverkehr an die Firma direkt weiter und rufe seinen Chef an, der auch überhaupt nicht erfreut war über diese ‘Marketingaktion’ seines Mitarbeiters.

Social Business und netzwerken auf solchen Plattformen bedeutet nicht, dass man mich als Kontakt hinzufügen darf, mir dann unaufgefordert Werbung zusendet und mich dann anschnauzt. Wer so denkt, hat eine falsche Einstellung zu Werbung und zu Menschen überhaupt und keinerlei Respekt.

 

Beispiel 2

September 2011 – Eine professionelle Headhunterin kontaktiert mich auf Facebook und möchte mit mir telefonieren. Ich gehe davon aus, dass Sie mich für einen Kunden gewinnen will und wittere schon ein Jahresgehalt zwischen 90.000 – 120.000 und mehr Euro. Gerne werde ich mit ihr telefonieren! Im Gespräch Ernüchterung: die Dame ist jetzt selbst in einen Vertrieb eingestiegen und möchte mich als Vertriebspartner gewinnen. Ich höre durchaus interessiert zu, um welchen Markt und welches Produkt es sich handelt und ob man das nicht auch online bewerben kann.

Die Dame möchte mich zu einem Infomeeting in das Hotel Pyramide nach Nürnberg einladen (dort finden ständig derartige Veranstaltungen aller möglichen Unternehmen statt). Ich könnte nämlich auch vornehmlich eine Sprecherposition einnehmen, da ich regulär schon Vorträge halte. Ich möchte gerne den Namen des Veranstalters wissen. Er wird mir mitgeteilt, ich bitte mir einen Tag Zeit aus, um meine Gedanken zu sortieren und Informationen einzuholen.

Über einen ehemaligen Geschäftsfreund des Veranstalters bekomme ich Detailinformationen. Und zufällig ist ein alter Vertriebskollege von mir ebenfalls mit gleicher Firma und gleichem Produkt involviert. Wenn ich mich also in diesem Gebiet betätigen sollte, dann mit meinem Bekannten. Aber das Geschäft ist ist generell nicht interessant für mich, weder das Produkt, noch der Vertrieb und Internetmarketing darf man auch nicht machen. Für mich ein Ausschlusskriterium. Das teile ich der Dame mit.

Seitdem habe ich von ihr nie wieder etwas gehört oder gesehen.

Hier wurde das Modell Durchlauferhitzer vollzogen: mal schnell auf Facebook nach Kontakten suchen, die irgendwie dazu passen könnten. Anschreiben, vollquatschen, einschreiben. Wenn sie kein Interesse haben, links liegen lassen. Was in manchen Vertrieben ja von ‘Führungskräften’ gebilligt oder sogar gefördert werden mag, ist menschlich einfach nicht okay. Und Social Media für diese Zwecke zu nutzen ist okay – wenn man es richtig macht und dann wenigstens von sich hören lässt.

Stichwort: Tür offen halten. Jetzt landet diese Frau hier als Negativbeispiel. Gut gemacht.

 

Beispiel 3

Dezember 2011 / Januar 2012 – Xing. Erst vor zwei Tagen habe ich einen ausführlichen Bericht über einen Spammer auf Xing veröffentlicht. Ich bin ein interessanter Kontakt für ihn, er möchte mich hinzufügen. Da ich meine Kontaktdaten freigebe, glaubt auch dieser Herr, mir in Zeiten von strengen Gesetzen und Abmahnungen einfach Emailspam senden zu können. Ich erhalte plötzlich seinen Newsletter, den ich nie angefordert habe und der nicht im geringsten etwas mit meiner Firma und meinem Wirkungskreis zu tun hat. Und dieser Herr gibt auch noch zu, dass er das mit allen Kontakten so macht. Wahrscheinlich wird er so weiter machen. Das allein ist schon ein Negativbeispiel. Aber sehen wir weiter.

Ein anderer Geschäftsmann kontaktiert mich. Gerne nehme ich die Anfrage an. Ob wir telefonieren können? Natürlich. Ich rechne damit, dass er ein Projekt zu betreuen hat und sich ein Angebot einholen möchte. Fragen kostet ja nichts. Und seine Webseiten könnten wirklich aus dem Jahr 1999 geholt werden. Und SEO kann der Mann auch gebrauchen. Ich habe mir meinen neuen Kontakt angeschaut, seine Webseiten und sein Angebot. Ich bin vorbereitet auf den Anruf.

Wir telefonieren und er fragt, was ich denn eigentlich so mache. Es ist ja nicht so, dass ich Stichworte auf meiner Seite hätte. Natürlich existiert auch kein Link zu meinen Angeboten. Selbiger Herr hat 11(!) Links zu seinen Angeboten in seinem Xing Profil. Ich habe 3. Zur Vorbereitung konnte er nicht auf einen einzigen Link klicken und sich einen Überblick verschaffen?

Wer nicht vorbereitet ist, kann auch nicht bereit sein.

Ich erkläre ihm trotzdem in kurzen knappen Worten, was ich tue. Er sieht keine Schnittstellen. Ich auch nicht. Er bittet um einen persönlichen Gesprächstermin. Ich frage: “Ja gerne. Wozu? Was wollen Sie denn mit mir besprechen? Fragen Sie doch jetzt. Bisher haben Sie mich nicht heiß auf ein Treffen gemacht.” Ich verschwende doch sicher nicht meine Zeit mit Autofahren und dem Treffen einer Person, die nicht weiß, was sie (von mir) will. “Vielleicht kommt im persönlichen Gespräch etwas auf.” Ah ja, danke. Gute Idee.

Das Gespräch verlief trotz dem passabel. Ich wünsche mir nur, dass Kontakte sich zu einem Termin vorbereitet haben. Egal, ob telefonisch oder persönlich. Das zeigt Respekt vor dem Gegenüber und auch gegenüber der Zeit, die der Gesprächspartner investiert.

 

Social Networking ist nicht Emails abgreifen und spammen!

 

Leiten wir also ein paar Regeln für Social Business ab, von denen ich nicht dachte, dass man sie überhaupt formulieren müsste.

Ich bekomme angesichts der Notwendigkeit solcher Regeln ja beinahe einen gastroösophagealen Reflux, sprich: das Kotzen. Aber gut.

 

Regeln für den Umgang mit Menschen in Businessnetzwerken

  1. Wenn du mich kontaktierst, dann erwarte ich deinen Respekt. Respektierst du nicht mich, meine Zeit oder meine Privatsphäre, dann bist du für mich erledigt.
  2. Nur weil du meine Kontaktdaten hast, heißt das nicht, dass du mir unerwünscht Werbung zusenden kannst. Egal ob per Email, Post, SMS oder privater Nachricht.
  3. Wenn ich dich als Kontakt bestätige, dann schaue ich mir dein Profil an und mache mir ein Bild über dich. Tu bitte dasselbe und informiere dich vorher, wo Schnittstellen vorhanden sind.
  4. Wenn du mich wegen einem Angebot kontaktierst und das Angebot passt nicht zu mir, dann lass es. Wenn das Angebot zu mir passen könnte, aber es stellt sich heraus, dass ich kein Interesse habe, dann akzeptiere das und halte dir eine Tür offen für einen späteren Kontakt.
  5. Facebook mag nicht dazu gehören, aber LinkedIn und Xing sind Businessnetzwerke. Für’s Geschäft. Verhalte dich wie ein Geschäftsmann. Betreibst du ein Geschäft und verhältst dich wie ein Erwachsener oder wie ein Kind im Kindergarten? Die Regel lautet: wie ein zivilisierter Erwachsener.

Ich freue mich über Kontaktanfragen von Menschen, die ebenso denken und Interesse an Business und persönlichem Wachstum haben.

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