Erlaubnisbasiertes Emailmarketing

 

Sie kennen das: Sie sitzen an Ihrem PC und gehen das Spam Postfach durch. Schließlich könnte sich eine wichtige Email dorthin verirrt haben. Plötzlich sehen Sie einen Betreff, der tatsächlich ein legitimes Mailing zu sein scheint. Sie klicken, ihr Programm zeigt die Email an. Sie scrollen durch die Mail und entdecken tatsächlich als Absender eine Firma, die Sie kennen. Eine Firma aus Deutschland. Der Newsletter landete, von Google automatisch gefiltert, im Spam Ordner. Zu Recht?

Ja, völlig zu Recht!

 

Die Story

Eine Firma mit Sitz in Deutschland hat mir Ihren Newsletter geschickt. An sich nichts schlimmes oder gar verwerfliches…

…wenn ich diesen Newsletter angefordert hätte!

Ich kann nicht in Ihr Emailpostfach sehen, aber wenn es Ihnen ansatzweise so geht wie mir, dann quillt Ihr Spamordner jeden Tag auf’s Neue über. Und es gibt wahrlich genug Spam auf der Welt. Gerade in Deutschland haben wir deshalb Gesetze (und in fast allen anderen modernen Ländern auch), die den Empfang von Newslettern oder ähnlichen Massenmailings nur unter Maßgabe einer expliziten Zustimmung zum Empfang erlauben.

Sie kennen das unter dem Namen ‘Double Opt-In Verfahren’ und das bedeutet, dass Sie sich in einen Newsletter eintragen, daraufhin erhalten Sie einmalig eine Email. In dieser Email befindet sich ein Link. Nur, wenn Sie diesen Link anklicken, bestätigen Sie damit, dass Sie wirklich diesen Newsletter empfangen möchten. Damit wird ausgeschlossen, dass jemand fremdes Ihre Emailadresse in einen Newsletter eintragen kann und Sie dann unerwünschte (und vor allem: unerlaubte) Werbung erhalten.

Woher wusste ich jetzt, dass ich diesen Newsletter nicht doch angefordert habe? Nun, ich habe aktuell über 300 verschiedene Emailadressen, die einzelnen Firmen oder Diensten zugeordnet sind. Eine Emailadresse pro Webseite/Dienst, mit dem ich zu tun habe. So kann ich genau sehen, über welche Plattform eine Email kommt, welcher Anbieter möglicherweise meine Emailadresse unerlaubt weitergibt und ich kann die Adresse einfach löschen, wenn plötzlich Spam darauf eingeht oder ich einen Kontakt mit einer Firma beenden muss, die unethisch arbeitet.

In meinem Fall kam der Newsletter an meine Emailadresse, die für Xing reserviert ist. Diese Adresse würde ich nicht für einen Newsletter verwenden, sondern eben eine neue Emailadresse. Außerdem habe ich die Webseite der besagten Firma schon einmal besucht und weiß sicher, dass ich mich nicht in das dortige Newsletterformular eingetragen habe. Auch, weil sie mir zu viele persönliche Daten abfragen wollten. (Ich selbst frage auf meiner Webseite NUR die Emailadresse ab – mehr brauche ich nicht, um dem interessierten Besucher nützliche Informationen zu schicken. Apropos – tragen Sie sich doch auch ein, gleich hier rechts in der Seitenleiste.)

Also schreibe ich eine Email an die im Newsletter genannte Kontaktadresse. Ich möchte wissen, wann (Datum), wo (welche Webseite), um welche Uhrzeit und mit welcher IP die Anmeldung in den Newsletter erfolgt ist. Da diese Daten gewöhnlich bei der Eintragung gespeichert werden (sollten). Gerade bei der strengen Rechtslage in Deutschland sollte man diese Daten zur Hand haben, um nicht als Spammer eingestuft und abgemahnt zu werden.

Nur wenige Minuten später erhielt ich von einem Kontakt, den ich erst kurz vorher auf Xing bestätigt hatte, eine Antwort auf meine Email. Dieser Kontakt ist gleichzeitig Geschäftsführer dieses Unternehmens, welches sich auf ‘Social Media Marketing’ und ‘Kundengewinnung im Web 2.0′ spezialisiert hat.

In dieser Emailantwort hat er sich entschuldigt und mir zugesagt, mich unverzüglich aus seiner Outlookliste (!) zu entfernen. Was er richtig gemacht hat, ist, sich zu entschuldigen. Diesen Punkt vergessen viele ‘Marketer’ oder ‘Dienstleister’ oder der ‘Service’ eines Unternehmens ja nur allzu gerne. Das rechne ich ihm hoch an. (Dass er Outlook für seinen Newsletter verwendet, ist dagegen ein absoluter Lapsus und zeigt zumindest mir, dass er entweder nicht viele Kunden in seinem ‘Newsletter’ hat, oder Emailmarketing nicht ernst nimmt.)

Weiterhin schrieb er, dass ich ihm auf Xing meine Kontaktdaten freigegeben und meine Emailadresse ihm gegenüber freigeschaltet habe. Ich wusste nicht und wüsste auch nicht, dass in den AGB von Xing steht, dass ich damit Erlaubnis gebe, in einen Newsletter aufgenommen zu werden. Ich habe kein Problem damit, wenn man mich geschäftlich kontaktiert, mit mir über Ideen und Kooperationen sprechen möchte. Ich begrüße das sogar. Aber ein Newsletter ist eine ganz andere Sache.

Den nächsten Teil zitiere ich jetzt aus der Email, die ich bekommen habe (Schreibfehler wurden nicht korrigiert):

Um auch ein aktives Netzwerken zu fördern und zu gewährleisten, versende ich ab und an an mein Kontakt-Netzwerk
nützliche Tips und Hinweise zu den verschiedenstenm Themen, so wie auch heute. Wenn es bei Ihnen als SPAM
ankommt bzw. wirkt, dann bitte ich dieses in aller Form zu entschuldigen, dass war sicherlich nicht unser Bestreben.

Hervorzuheben ist der Satz: “nützliche Tips und Hinweise zu den verschiedensten Themen”. Woher, bitteschön, weiß der Herr Geschäftsführer denn, was für mich und mein Unternehmen nützlich ist? Und die verschiedensten Themen sind auch in keinster Weise zielgruppengerecht. Hier wird einfach eine Menge Schrott und Müll an die Wand geworfen (die Empfänger des Newsletters) und es wird geschaut, was hängen bleibt.

Traurig finde ich dabei, dass dieser Geschäftsführer ein ‘Speaker of Excellence‘ ist – sein Verhalten in Bezug auf richtiges Marketing aber alles andere als ‘exzellent’ war.

 

Erlaubnisbasiertes Marketing

Erlaubnisbasiertes Marketing, besonders Emailmarketing, sieht anders aus. 

Dieser Herr Geschäftsführer hatte keinerlei Erlaubnis, mir Marketingbotschaften zu schicken, es sei denn, sie wären für mich persönlich relevant gewesen und direkt von ihm an mich gerichtet mit dem Auge auf eine zukünftige Zusammenarbeit oder ein sonstiges Joint Venture.

Wer mit den Büchern von Seth Godin vertraut ist (nur der bedeutendste Marketingblogger der Welt), wird die folgenden Gedanken (auf deutsch und im Original auf englisch) kennen. Jeder andere Leser wird gleich verstehen, warum erlaubnisbasiertes Marketing so wichtig ist und dass man sich zugunsten eines kurzfristigen Profits nicht die Marke, das Geschäft und besonders den eigenen Namen versauen darf.

 

Permission Marketing

  1. Permission doesn’t exist to help you (the marketer). It exists to help me. The moment the messages you send me cease to be anticipated, personal, and relevant, then you cease to exist in my world.
  2. My permission can’t be bought or sold. It’s nontransferable.
  3. I don’t care about you. Not really. I care about me. If your message has something to do with my life, then perhaps I’ll notice, but in general, don’t expect much.
  4. Privay policies and fine print are meaningless to me. When I give you my permission to follow up, we’re making a deal and you’re making a promise. An overt and clear promise. If you break that promise, whether or not you are legally in the right, we’re finished.
  5. I demand your respect. I can get respect from plenty of organizations, so if you disrespect me (by mistreating me, by breaking your promise, by cheating or lying, or by undervaluing our relationship), then sure, that’s right, you’re history.

Permission Marketing (english) on Amazon

Erlaubnisbasiertes Marketing

  1. Die Erlaubnis existiert nicht, um Ihnen (dem Marketer) zu helfen; sie existiert, um mir zu helfen. In dem Augenblick, wo die Nachrichten nicht (mehr) erwünscht sind, weder persönlich noch relevant für mich sind, sind auch Sie in meiner Welt nicht mehr erwünscht.
  2. Meine Erlaubnis kann nicht gekauft oder verkauft werden. Sie ist nicht übertragbar.
  3. Sie kümmern mich nicht. Nicht wirklich. Ich kümmere mich um mich. Wenn Ihre Nachricht etwas mit meinem Leben zu tun hat, dann bemerke ich sie vielleicht, aber erwarten Sie nicht zu viel.
  4. Nutzungsbedingungen und Kleingedrucktes sind irrelevant für mich. Wenn ich Ihnen meine Erlaubnis gebe, mit mir in Kontakt bleiben zu dürfen, haben wir eine Abmachung getroffen und Sie geben mir ein Versprechen. Ein offenes und klares Versprechen. Wenn Sie Ihr Versprechen brechen, egal ob Sie rein faktisch im Recht sind oder nicht, sind Sie für mich erledigt.
  5. Ich erwarte Ihren Respekt. Ich kann diesen Respekt von unzähligen anderen Firmen bekommen, also wenn Sie mich nicht respektieren (indem Sie mich schlecht behandeln, Ihr Versprechen brechen, lügen oder betrügen oder unsere Verbindung nicht wertschätzen), dann,  und das ist ohne Frage, sind Sie Geschichte.

Permission Marketing (deutsch) auf Amazon

 

 

Der Geschäftsführer besagter Firma hat gegen alle Punkte in sträflicher Weise verstoßen; er hatte keine Erlaubnis, mir ein Mailing zu schicken. Das Mailing stand in keinerlei Bezug zu mir oder dem, was ich tue. Er hat die Abmachung gebrochen, mich nur zu geschäftlichen Zwecken zu kontaktieren und hat es vorgezogen, mir Werbung zu schicken. Er hat unsere Beziehung nicht wertgeschätzt. Mit dem Auge auf ein paar Euro, die er als Provision bekommt, wenn jemand das Produkt kauft, welches er in seiner Email vorgestellt hat, hat er eine mögliche langfristige Geschäftsbeziehung nachhaltig geschädigt.

War es das wert?

Mit dem Newsletter und der Antwort, die ich auf meine Email bekommen habe, kann ich diese Firma kostenpflichtig abmahnen! Schließlich hat der Geschäftsführer in der Antwort selbst zugegeben, dass er Emails unerlaubt versendet. Ich bin kein Anwalt, aber ich habe Anwälte als Kunden, die sich dem Fall sicher gerne für mich annehmen würden und prüfen, ob und in welcher Höhe dieses Verhalten abmahnfähig ist. Ich bin sicher, dass auch diese zu der Ansicht kommen, dass es sich hier um einen Fall von Spam handelt, der scheinbar auch so weitergeführt wird, mit allen neuen Kontakten, die der Herr Geschäftsführer zukünftig auf Xing knüpft.

Bitte machen Sie nicht solche Fehler!

Bitte arbeiten Sie in Ihrem Marketing ethisch und rechtlich absolut einwandfrei. Speziell, wenn Sie einen Ruf zu verlieren haben oder langfristig eine gute Geschäftsbeziehung aufbauen wollen, spielen Sie fair und mit offenen Karten. Riskieren Sie keine Abmahnungen oder schicken Ihren Lesern Informationen, die diese weder wollen, noch wünschen und die nicht zu deren Interessen passen.

Wenn ein Leser Informationen zu Internetmarketing und SEO wünscht, dann schicken Sie ihm nur genau das.

Wenn ein Leser Informationen zu Rennwagen wünscht, dann schicken Sie ihm nur genau das.

Wenn ein Leser Informationen zu Versicherungen wünscht, dann schicken Sie ihm nur genau das.

Es werden sich auch dann immer wieder Leser aus Ihrem Newsletter austragen, aber das ist normal. Wenn Sie jedoch gute Qualität und zielgruppenrelevante Informationen versenden, dann bleiben Sie wenigstens der Sache treu und bilden sich einen guten Ruf und eine treue Leserschaft.

 

Arbeiten Sie fair, arbeiten Sie sauber. Egal, wie Sie an Ihren Kunden herantreten. Behandeln Sie Ihre Kunden immer noch besser, als Sie selbst gerne behandelt werden wollen. Und tun Sie es, auch wenn Sie selbst von anderen nicht den besten Service erhalten. Bieten Sie exzellenten Service und machen Sie sich damit einen Namen.

Qualität lohnt sich. 

 

 

P.S.: wenn Sie auf der Suche nach einem Emailservice sind, der sich an alle Gesetze hält und einfach zu bedienen ist, dann werfen Sie einen Blick auf Klick-Tipp. Ich verwende diesen Service selbst und zahle gerne einen geringen monatlichen Beitrag, wenn ich die Gewissheit habe, dass ich keine Abmahnungen bekommen kann, wenn ich meinen Kunden ein Mailing schicke.

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